Arbeitstagung der Russen-, Marder-, Siamesen- und Kalifornier-Clubs im ZDRK in Willmersdorf bei Cottbus (Peitzer Land/Brandenburg)

Vielfältiges Programm der Clubzüchter von Abzeichenkaninchen

 

Das traditionell am Wochenende nach Himmelfahrt durchgeführte Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Russen-, Marder-, Siamesen-und Kalifornier-Clubs erlebte seine 24. Auflage am 4. und 5. Juni 2011 in Willmersdorf, im wunderschönen  Peitzer Land ( Brandenburg)  gelegen . War also im letzten Jahr der Südwesten der Republik Gastgeber, fand die Tagung 2011  im äußersten Osten statt.

Die Clubmitglieder des Russen- und Kal.-Clubs Berlin-Mark Brandenburg, im besonderen der Zuchtfreund Wilfried Schulze(Peitz), hatten das Treffen hervorragend organisatorisch abgesichert. Mit 35 angereisten Clubzüchtern wurde die Teilnehmerzahl des Vorjahres nicht ganz erreicht, immerhin waren der Marder und Kal.-Siam.-Club Thüringen (6), Russenclub Thüringen (6), Russenclub Thüringen/Sekt. Nord (2), R-, M-, Kal.- u. Si. -Club Bayern (2) Russen-, Marder-, Kal.,  und Siam.-Club Hessen/Nassau (3), R-Kal.-Club Bln.-  Mark Brandenburg (6), Marder-, Siam-Club Rheinland-Pfalz (1),Marder, -R-,  Si., u. Kal.- Club Westfalen (4), R-M-Si- Club Baden (2) und der R-M-Kal.-Club Weser/Ems  (1) vertreten. Es verwundert immer wieder, dass ständig inaktive Clubs bei diesen informativen Tagungen fehlen. Es kann deshalb nicht erstaunen, dass in einigen Landesverbänden diese anspruchsvollen Rassekaninchen kaum auf den jeweiligen Landesschauen eine Rolle spielen.

 

Kulturteil

 

Ein Teil der mit ihren Partnern angereisten Züchter nutzten die Vielfalt der Angebote des Peitzer Landes, einer ehemals durch den Braunkohlebergbau geprägten Region.

Durch Rekultivierungsmaßnahmen und das Schaffen attraktiver Kultur- und Tourismusangebote bereute keiner der Tagungsteilnehmer und der Mitreisenden den Besuch des Peitzer Landes. Der Samstagvormittag wurde von den Nichtzüchtern für einen  Besuch  einer beeindruckenden  Confiserie in Hornow genutzt. Das Samstagnachmittagsprogramm wurde bei „Kaiser“- Wetter von einer etwa 4stündigen beschaulichen Spreewaldkahnfahrt bestimmt.

In gemütlicher Runde klang nach einem umfangreichen Abendbuffet und dem Auftritt des Fastnachtsvereins Peitzer Gubener Vorstadt, die einen Ausschnitt ihres diesjährigen Programms aufführten, der Samstag aus. Leider wurden für die hinzugekommenen Clubzüchter  die Gäste nicht vorgestellt, das im nächsten Jahr wieder erfolgen soll.

 

 

Vorträge und Tierbesprechungen

 

Mit einer PowerPoint-Präsentation über die Großmarder, blau, begann die umfangreiche Arbeitstagung. Der AG-Sprecher Joachim Kapp, er wurde Klassensieger bei den Neuzüchtungen in Karlsruhe,  erläuterte die Rassemerkmale

der seit 1951 als „sowjetische Marder“ bekannten Rasse. Der Züchter stellte den Weg der Rasseentstehung dar, die genetisch als Schwarzmarder geführt werden. Der langjährige Kleintierzüchter  vertrat die Meinung, nicht zu früh mit der Selektion zu beginnen, da hier die Natur entscheiden sollte.

Zum in der letzten Arbeitstagung gewünschten Fachthema über die häufigsten Darmerkrankungen bei Kaninchen und prophylaktische Impfungen in Kaninchenbeständen konnte Dr. Eberhard Stradnick gewonnen werden. Der Referent züchtet selbst blaue und schwarze Wiener und ist als Clubmitglied bestens mit der Materie vertraut, zumal er viele Bestände betreut und in Beeskow eine TA-Praxis leitet. Der Redner teilte zum besseren Verständnis der Inhalte Übersichten über Darmerkrankungen aus und erläuterte diese. Einen größeren Raum nahm en die Empfehlungen für die prophylaktischen Impfungen in Kaninchenbeständen gegen Myxomatose, RHD, Pasteurellen und Enterocolitis (jetzt Enteropathie) ein. Bei der Myxomatose wurde die bessere Ausbildung der Immunität mit dem Jet betont. Die 1x jährliche Grundimmunisierung sollte nicht zu spät gegen RHD erfolgen. Der Rauhfaserreichtum im Kaninchenfutter wurde hervorgehoben. Der sehr praxisorientierte Vortrag wurde sehr aufmerksam von den Clubzüchtern verfolgt, das auch in der anschließenden lebhaften Diskussion zum Ausdruck kam.

Die diesjährige Tierbesprechung über Russen und Kalifornier, Höhepunkt der Tagungen, wurde vom bekannten Autor und Preisrichter Henry Majaura (Magdeburg) durchgeführt. Nach kurzer Vorstellung wurde an den bekannten Russenzüchter und Preisrichterprüfer Ernst Regner (1920 -1990) aus  Grimma  erinnert. H. Majaura stellte einen bestens gezeichneten 6 Monate alten Russen, schw.-w., vor. Die hervorragende Maskenform und der saubere Ohrenansatz und die intensive Lauffarbe einschließlich der Abgrenzung  überzeugten und bewiesen einmal mehr, dass Tiere in diesem Alter in ihrer farblichen Blüte stehen. Auch  blau-weiße Russen und einen 3 jährigen Rammler der Rasse Kalifornier, schw.-w., stellte der Preisrichter vor. Die einstündigen Ausführungen zeigten den hohen Stand der Russenkaninchenzucht und die sichtbaren Fortschritte bei den Kalifornier-Kaninchen. Die Anwesenden waren begeistert von der Farbe des 3jährigen Rammlers des schw.-w. Farbenschlags.

Die Farbe des besprochenen blau-weißen Kaliforniers war ebenfalls ansprechend, folgerichtig war die Krallenfarbe intensiv ausgebildet. Schließlich wurde ein havannafarbiger Kalifornier begutachtet, der leider eine nicht abgerundete Maske, hingegen aber eine bis zur Schwanzwurzel gefärbte Blume aufwies, was bei dem Farbenschlag dieser Rasse nicht häufig auftritt. Die Tagungsteilnehmer, die den einstündigen Vortrag aufmerksam verfolgten, bedankten sich mit herzlichem Applaus bei Henry Majaura.

Die Tierbesprechung über Marder und Siamesen, die eine Form der Schulung darstellen soll, wurde vom Rassesprecher Joachim Kapp geleitet.

Der Backenpunkt als wesentliches Merkmal der braunen Marderwurd neben einer markanten Maske hervorgehoben. Das Marderkreuz und die über die Sprunggelenke gehende Hinterlaufabgrenzung wurden als bedeutsame Merkmale gekennzeichnet.

Im weiteren Verlauf der Besprechung ging der Preisrichter auf die Rolle des Marderfaktors an  / am  ein und verwies auf die farbliche Einfassung des Unterkiefers. Die seltenen Siamesen, blau, müssen einen gelben Farbton in der Deckfarbe besitzen. Die Interessengemeinschaft hat sich positiv entwickelt, was nicht zuletzt in der Zahl der ausgestellten Siamesenkaninchen auf der letzten Clubvergleichsschau zum Ausdruck kam. Auf den Anfang des Rückenstreifens wurde verwiesen. Er sollte da beginnen, wo die auf den Rücken gelegten Ohren enden. Der Zusammenhang zwischen farblicher Erscheinung und Augenfarbe (hellere Tier – hellere Augenfarbe) sowie die Ausprägung der Krallenfarbe wurde unterstrichen, ebenso wurde auf das Aufhellen der Siamesen mit zunehmendem Alter eingegangen, ein heller Stirnfleck ist bei dieser Rasse erwünscht. Leider hat sich der Brandenburger Club nicht beim Organisator gemeldet. Somit mussten die  zur Besprechung gezeigten Tiere von anderen Clubs mit großem Transportaufwand herbei geschafft werden.

 

Organisatorisches

 

Dem Verantwortlichen der diesjährigen Tagung, dem Zf. Wilfried Schulze, wurde gedankt durch die Zuchtfreunde Karl-Heinz und Karin Müller (R-Club Hessen/Nassau) , die zwei wunderschöne in  Filztechnik gefertigte Russenkaninchen überreichten.

Am 19. und 20. Mai 2012 findet die traditionelle Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft in Ellmendingen/Keltern (Enzkreis, westlich von Pforzheim) statt. Die Zuchtfreunde Gisela Richter und Dieter Bach vom Badischen Club haben hierzu schon umfangreiche Vorarbeit geleistet.

Die Auswertung der letzten Clubvergleichsschau in Neuhaus am Rennweg vom Oktober 2010 nahm der Rassesprecher selbst vor. Die beachtliche Qualität der ausgestellten Tiere wurde nochmals als herausragendes Ereignis hervorgehoben. Nicht der Rassetyp war relevant, sondern der Rassewert. Leider hätte sich die Ohrstruktur der meisten Russenkaninchen verschlechtert, hier müssen sich die Züchter um Verbesserung bemühen. Heftig diskutiert wurde über die Formulierung „leichter Hauch am Unterkiefer“.

Der erfahrene Preisrichter vertrat die Meinung, dass je mehr im Standard stehen würde, umso komplizierter wäre die Auslegung des entsprechenden Sachverhaltes.

Kritikwürdig war die unzureichende Information über den Zeitpunkt des Vergleichs von 25 bewerteten Tieren am Ausstellungssonnabend.

Die nächste Clubvergleichsschau findet Anfang Oktober 2012 in Iserlohn statt, für 2014 hat sich Gerhard Knorr vom Club Rheinland Pfalz für den Ausstellung in Annweiler a. Trifels beworben.

 

Reiner Hoffmann,

Schriftfüher